Kulturhistorischer Verein
             "Gericht Kübelberg" e. V.

 

Das Gericht Kübelberg umfasste als Amtsbezirk die Orte Kübelberg, Schönenberg, Sand, Schmittweiler, Dittweiler, Altenkirchen, Frohnhofen, Brücken, Niederohmbach, Elschbach, Nieder- und Obermiesau und wurde erstmals 1291 erwähnt. Es war Teil des früheren sogenannten Reichslandes um Kaiserslautern. Das Gericht Kübelberg gelangte ab 1312 und 1375 durch Verpfändungen in mehreren Schritten endgültig 1438 an die Kurpfalz. 1779 kam es durch Tausch an das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Nach dem Einmarsch französischer Revolutionstruppen und dem Aufbau einer französischen Verwaltung wurde das Gericht Kübelberg 1797 aufgelöst. Nach der napoleonischen Zeit fanden sich ab 1816 alle Dörfer des ehemaligen Gerichts Kübelberg im Königreich Bayern wieder.

 

Daten zur Geschichte des Gerichts Kübelberg

 

937 Ersterwähnung von Kübelberg. In einer Urkunde vom 30. Mai 937 wird Nivunchiricha (d.h. Neue Kirche) erwähnt. Um den Ort von anderen Dörfern gleichen Namens [Neu(n)kirchen] unterscheiden zu können, tritt in späteren Urkunden noch der Name des nahen Baches Chevilunbach, des heutigen Kohlbachs, hinzu. Der Bachname geht nach und nach auf den Ort über. 1018 lesen wir „Kebelinbach“. Später entsteht bei der Kirche von „Chefilinberg“ eine Burg. Kübelberg ist Teil des Reichslandes um den alten Königshof in Kaiserslautern.

 

1291 In einer Urkunde vom 4. April wird das Amt Kübelberg erstmals erwähnt.  Der als Burgmann in Kaiserslautern angenommene Ritter Rudolf, genannt Gudelmann, und seine Erben erhalten jährlich 6 Pfund Heller vom Amte Kobelnberg.

 

 

1297 Ersterwähnung der Burg in Kübelberg. Sie sicherte die wichtige Herr- und Handelsstraße (strata regia) von Metz nach Mainz die hier durch Kübelberg führte und in unserem Raum als Scheidenberger Geleitstraße bekannt war. Die Burg „Kevelnberg“ gehörte als westlicher Vorposten zu einem Ring verschiedener Burgen die das Reichsland um Kaiserslautern schützen.

 

1312-1437 Heinrich VII. verpfändet 1312 das Gericht Kübelberg an Heinrich von Sponheim. In der Folgezeit dient das Gericht mehrfach als Pfandobjekt.

 

1375 erhält Kurfürst Ruprecht I. von der Pfalz die Pfandschaft, gibt das Gericht aber direkt an Graf Johann III. von Sponheim weiter. Nach dem Tod des letzten Sponheimers fällt das Gericht 1437 wieder an die Kurpfalz zurück.

 

1419 Auf einer Urkunde vom 1. April erscheint das Siegel des Gerin von Kebelenberg, der von Kübelberg stammte und in den Jahren 1390 bis 1428 in verschiedenen Dokumenten auftaucht. Er war Burgmann in Zweibrücken und Homburg. Interessanterweise zeigt das Siegel zwei Kübel. Bereits damals war die ursprüngliche Bedeutung des Ortsnamens Kübelberg nicht mehr bekannt und man leitete den Namen fälschlicherweise von Kübel (Mundart: Kiwwel) ab.

 

1438 Im Sponheimer Gültbuch werden erstmals alle Orte des Gerichts Kübelberg gemeinsam erwähnt: Kebelenberg, Elspach, Munsauwe, zum Sande, Schonenberg, Schmidwilre, Dudwilr, Altkirch, Frohnhoff, Brücken und Ovenbach gensyt der bach.

 

1456 Im Kübelberger Weistum wird über die bestehenden Rechtszustände im Gericht Kübelberg berichtet. „Simonts Henne von mysauwe“ (Miesau) setzt als „scholtheß zu Kebelnberg“ sein Siegel (Gerichtssiegel) an den Weistumsbrief. Leider ist das Weistum heute nur noch  als Abschrift überliefert, so dass auch das Gerichtssiegel nicht erhalten ist.

 

Ich Simonts Henne von mysauwe schultheß zu Kebelnberg zu dieser zyt und diese nachge-schriebenn forster des egenannten gerichts daselbes mit Namen Metzen Henne von brucken und clais stickborst zum sande.

 

 

1564 Der Geometer und Kartograph  Tilemann Stella führt 1563/64 eine Landesaufnahme der pfalz-zweibrück-ischen Ämter Zweibrücken und Kirkel durch. Neben der ausführlichen Beschreibung der einzelnen Orte und den Grenzen der Ämter fertigt er eine Karte an. In dieser Karte sind auch die Dörfer des Gerichts Kübelberg eingezeichnet.

 

1592 In einer sogenannten Schatzung durch den pfälzischen Kurfürsten werden alle Steuerpflichtigen des Gerichts Kübelberg erfasst. Insgesamt gibt es im Gericht 148 Haushaltungen, die sich folgendermaßen verteilen: Kübelberg 19, Schönenberg 14, Sand 13, Schmittweiler 6, Dittweiler 14, Altenkirchen 22, Frohnhofen 4, Brücken 22, Ohmbach 4, Miesau 21, Elschbach 9. Demnach dürfte die Gesamtbevölkerung bei knapp 600 Einwohnern gelegen haben.

 

1600 Der kurpfälzische Förster Philipp Vellmann erstellt die sog. „Kübelberger Gerichtsbeforschung“, eine Bannbe-schreibung der einzelnen Ortsgemar-kungen und ihrer Grenzen.

 

Beforchung des gantzen KübelBerger gerichts Kreiß, Von allen fremden Herrschaften umgangen und beschrieben den 21 und 22 ten May 1600

 

1618-1648 In den Ländern des Deutschen Reiches tobt jahrzehntelang die Kriegsfurie. Während des Dreißigjährigen Krieges kommt es 1635 auch in der Westpfalz zu schweren Verwüstungen. Alle Orte des Gerichts Kübelberg werden ausgelöscht.

 

1656 Nach der Schatzungsliste von 1656 gibt es in Miesau 8, in Altenkirchen 5, in Dittweiler 4, in Frohnhofen 2, in Brücken 2 und in Niederohmbach 2 Steuerpflichtige. In den Ortschaften Kübelberg, Schönen-berg, Sand, Schmittweiler und Elschbach sind noch keine Einwohner erfasst. Die Wiederbesiedelung von Kübelberg beginnt erst im Jahre 1688.

 

1659-1748 In dieser Zeit werden Rechtsgeschäfte, wie der Kauf oder Verkauf von Grundstücken im Kübelberger Gerichtsbuch protokolliert. In verschiedenen Jahren wird unter Vorsitz des Schultheißen das Gericht mit den örtlichen Gerichtsschöffen einberufen.

 

Actum Schöneberg den 4ten May 1700. Wurdte durch Churpfaltz Schultheysen, Herrn Johann Adam Weisen, Hanß Peter Conradt, Christoffel Kling, Johann Theobalt Bulles und Nickel Munßinger, allen Gerichtsschöffen des Kübelberger Gerichts, der nun durch daß Kriegs Weßenn verhinderte Gerichtstag alten Gewohnheiten und Churfürstlicher Landsordnung nach gehalten; wobey dan folgendtes verhandelt worden. Gerichtschreiber wahr Johann Born.

 

Heudt dato, den 15ten May 1720, ist, nach eingehögtem Gericht, ein ordentlicher Gerichts Tag gehalten worden. Ware derzeith Schultheiß Johannes Orphey, Gerichtsmann Deowaldt Bulas und Nicklas Muntzinger, und ich, der Gerichtschreiber, Johann Ernst Gottlieb Rauh, welche wir alle zugegen und den Gerichts Tag angefangen im Nahmens unßers gnädigsten Churfürsten und Herrn Carl Philipp. Und seyndt nachfolgende Ufträg geschehen wie bräuchlich.

 

 

1682 Für das Gericht Kübelberg wird ein neues Siegel gestochen. Es trägt die Umschrift „Kvbelnberger Gerichts 1682 S(iegel)“ und zeigt auf zweispaltigem Grund links die weißblauen Wecken, die für die wittelsbachischen Kurfürsten von der Pfalz stehen und rechts in rotem Feld drei goldene Holzkübel. Sie sind Sinnbild für den Namen Kübelberg.

 

1697-1730 Der Frieden von Rijswijk setzt 1697 einen Schlussstrich unter die lang andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. Jahrhunderts. In den folgenden drei Jahrzehnten wandern viele Neubürger in die Dörfer des Gerichts Kübelberg ein. Es kommen Schweizer, Luxemburger, Lothringer, Franzosen und Tiroler Bauhandwerker hierher. Viele Familiennamen der Zuwanderer sind heute noch in der Westpfalz vertreten.

 

1728 Zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzt eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung in den Dörfern ein. Das Handwerk blüht auf und organisiert sich in Zünften. Im Jahre 1728 lässt die Schneider- und Leinenweberzunft ein eigenen Zunftsiegel stechen. Das Siegel wurde im Jahre 1906 beim Pflügen eines Ackers in Schönenberg nahe dem Bruchwald in verrostetem Zustand aufgefunden.

 

1779 Im Jahre 1779 kommt es nach längeren Verhandlungen zum sogenannten Kübelberger Tausch, bei dem das Gericht Kübelberg von der Kurpfalz zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken wechselt. Die Tauschurkunde wird am 28. Januar 1779 in München und am 15. Februar 1779 in Zweibrücken ratifiziert. Am 20. April 1779 erfolgt in Schönenberg vor dem Hause Ludwig Lang die Huldigung der neuen Pfalz-Zweibrücker Untertanen „bei Paradierung Zweibrückischer Dragoner und Husaren“. 1780 kommt das Gericht Kübelberg zum neuen pfalz-zweibrückischen Oberamt Homburg.

 

Das Gericht Kübelberg war immerdar zum Churfürstlich-Churpfälzischen Territorie gehörig....Der 20. Tag April anno 1779 war jener Tag, an welchem die Churfürstlichen Untertanen des Gerichts Kübelberg durch Freiherrn von Catsell als Churfürstlich-Churpfälischer Commissarius ihres Eides, womit sie an Churpfalz geheftet waren, erlediget und dem Durchlauchtigsten Herzog von Pfalz-Zweibrücken Karl August übergeben worden. Die Hudligung im Namen des Durch-lauchtesten Herzogs empfing der tit. Freiherr von Esebeck, erster Minister des Zweibrückischen Hofes.

Pfarrer Lyser Kübelberg 1779

 

Nach einer Zählung des Jahres 1778 gibt es im Gericht Kübelberg 350 Bürger mit ihren Ehefrauen, 70 Witwen, 19 ledige Bürger, 7 Beisassen, 496 Söhne und 542 Töchter (zusammen 1804 Einwohner). Hinzu kommen noch die herrschaftlichen Förster, die Pfarrer und Schulmeister sofern sie nicht im Besitz des normalen Gemeinderechts waren. Ebenso fehlen in der Aufstellung die Hirten und Bergleute.

 

1793 Die Pfalz-Zweibrücker Herrschaft dauert nur 14 Jahre. Im Juli des Jahres 1793 rücken französische Revolutionstruppen in Pfalz-Zweibrücken ein. Die Bevölkerung leidet vor allem im sogenannten Plünderwinter 1793/94 unter den Übergriffen der Franzosen. Ab Sommer 1796 ist die gesamte Pfalz in französischer Hand. In den kommenden beiden Jahren wird in den besetzten Gebieten die Verwaltung nach französischem Muster aufgebaut.

 

1797 Am 4. November 1797 wird das Gericht Kübelberg aufgelöst und stattdessen die Mairie (Bürgermeisterei) Schönenberg errichtet. Zu ihr gehören die Gemeinden Schönenberg, Kübelberg, Sand, Schmittweiler, Brücken und Gries.